Woher kommt die Wut in den Wechseljahren?
Meine eigenen Erfahrungen mit Wut
Auch ich habe sie erlebt, diese Wut in den Wechseljahren. Ein falsches Wort, ein schräger Blick, eine Kleinigkeit, die vergessen ging und plötzlich war sie da die Wut: heiss, explosiv und beschämend.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als sich die Wut das erste Mal aus den Tiefen meines Bauches ihren Weg gebahnt hat und in Sekundenschnelle über meine Liebsten ergossen hat. Ich sass am Schreibtisch und habe gearbeitet. Die Kinder sassen über den Hausaufgaben und blödelten herum. Eine ganz alltägliche Situation und kein Grund auszuflippen. Doch in diesem Moment habe ich das nicht realisiert, denn meine Wut übermannte mich und sie fühlte sich echt und berechtigt an. - Ich schrie die Kinder an, sie sollen gefälligst aufhören und endlich ihre verdammten Hausaufgaben machen. Und ich wies meinen Mann in die Schranken, er solle sich gefälligst um die Kinder kümmern.
Solche Szenen erlebten wir in der Folge immer wieder, denn die Wut und Unzufriedenheit wurden für eine Weile zu meinen Begleitern. Es war, als hätte sich ein Filter über mein Bewusstsein gelegt. Ich begann alles zu hinterfragen. Mich. Meine Ehe. Die Mutterschaft. Meinen Job. Meinen Freundeskreis. Den Sinn meines Daseins. Die Politik. Die Welt. Alles.
Viele Frauen erleben in den Wechseljahren emotionale Ausbrüche, die sie von sich selbst nicht kennen. Und fast immer folgt darauf die Frage:
Was stimmt nicht mit mir?
Was stimmt nicht mit mir?
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Woher kommt die Wut in den Wechseljahren?
Wut in den Wechseljahren entsteht durch das Zusammenspiel hormoneller Veränderungen und einer Überbelastung des Nervensystems. Viele Frauen reagieren empfindlicher auf Stress, weil ihr inneres Gleichgewicht neu justiert wird. Wut ist keine Schwäche, sondern oft ein Signal von Erschöpfung, fehlender Wertschätzung oder unterdrückten Bedürfnissen.
Das Östrogen, welches die Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin steuert, ist für emotionale Ausgeglichenheit zuständig. Zu Beginn der Wechseljahre, in der Prä- und Perimonopause, befindet sich das Östrogen in einem ständigen auf und ab, bis es sich in der Postmenopause auf ein konstant niedriges Niveau einpendelt. Dadurch mindert sich die „Pufferzone“, welche bisher alles abgefedert und gehalten hat.
Neben den Hormonen verändert sich auch die Vernetzung im Gehirn. Dadurch spüren viele Frauen einen Wandel in ihrer Wahrnehmung. Nachdem ihr Fokus viele Jahre der Familie oder der Karriere galt, weitet sich der Fokus auf das grosse Ganze. Oft gewinnen soziale oder umweltpolitische Themen an Gewicht, verbunden mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Unstimmigkeiten im familiären als auch im gemeinschaftlichen Kontext werden plötzlich mit aller Macht bewusst.
Auch Lebensrollen im privaten und familiären Umfeld geraten mit dem Wandel auf den Prüfstand. Rollen wie "Hausfrau" oder "die kleine Schwester" zu sein, fühlen sich plötzlich nicht mehr stimmig an und wollen verändert, diskutiert und auf den Tisch gebracht werden. Doch wer nie gelernt hat, seine Bedürfnisse und Gedanken auszudrücken, wird im Wandel übermannt von Emotionen wie Wut.
Viele Frauen erleben auch Wut auf ihren Körper, wenn die ersten Spuren des älter Werdens sichtbar werden. Die schlaffer werdende Haut im Gesicht, am Hals und den Armen, Muskeln die nachlassen, Gelenke die anfangen zu schmerzen, Energie die weniger wird und der Fettbauch, der sich ungefragt ausdehnt. Treten all diese Symptome gemeinsam auf, kann dies eine grosse Ohnmacht und Wut auslösen.
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Warum das Nervensystem in den Wechseljahren überlastet reagiert?
Während der Wechseljahre arbeitet das Nervensystem oft in einem erhöhten Alarmzustand. Dadurch können Reize schneller zu emotionalen Ausbrüchen führen, obwohl die eigentliche Ursache meist tiefer liegt. Unterdrückte Bedürfnisse, Mental Load und Schicksalsschläge können die Belastung der Psyche in den Wechseljahren verstärken, denn das Nervensystem ist bei vielen Frauen und Müttern bereits zu Beginn der Wechseljahre durch Job, Haushalt und Kinder am Anschlag. Die hormonellen Veränderungen und die Neuvernetzung des Gehirns machen unser Nervensystem sensibler und durch diese Veränderungen verstärkt sich die Empfindsamkeit. Ein voller Terminkalender, Geräusche, Konflikte oder die Welt allgemein, fühlen sich plötzlich viel lauter und intensiver an. In der Folge denken viele Frauen "Mit mir stimmt etwas nicht."
Wut ist eine Botin um Bedürfnisse und Gefühle, welche teilweise über Jahre zurückgehalten und kontrolliert wurden, sichtbar zu machen. Wut in den Wechseljahren signalisiert uns, dass unser Nervensystem und unsere Seele nicht mehr bereit sind, nur noch zu funktionieren.
Beispiel aus der Praxis:
Eine Mutter erzählt, dass sie immer öfter heftig auf Kleinigkeiten reagiert. Und dass sie nicht mehr bereit ist, sich allem und jedem anzupassen. Aber sie weiss nicht wohin mit dieser Wut. Im Gespräch wird ihr bewusst, dass diese Wut schon immer da war, dass sie sie aber zurückgehalten hat, um nicht anzuecken oder abgelehnt zu werden.
Durch die verstärkte Sensibilität bahnen sich auch unterdrückte Emotionen aus der Vergangenheit ihren Weg an die Oberfläche.
Beispiel:
Eine Frau hat in jungen Jahren einen Todesfall im Freundeskreis erlebt. Darauf hin habe sie geweint und geschrien. Der Vater habe sie an den Schultern gepackt und eindringlich gebeten, sich solle sich gefälligst zusammenreissen. In der Folge hat sie sich ihr ganzes Leben lang angepasst und ihre Emotionen zurückgehalten. Und nicht nur das, sie hat auch die Emotionen der Kinder mit-reguliert und darauf geachtet, dass es zu keinen Wutanfällen oder «Aussetzern» kommt.
Eine Frau hat in jungen Jahren einen Todesfall im Freundeskreis erlebt. Darauf hin habe sie geweint und geschrien. Der Vater habe sie an den Schultern gepackt und eindringlich gebeten, sich solle sich gefälligst zusammenreissen. In der Folge hat sie sich ihr ganzes Leben lang angepasst und ihre Emotionen zurückgehalten. Und nicht nur das, sie hat auch die Emotionen der Kinder mit-reguliert und darauf geachtet, dass es zu keinen Wutanfällen oder «Aussetzern» kommt.
Im Wandel sind all die aufgestauten Emotionen aufgebrochen, ohne dass sie sich dessen bewusst war, woher diese Wut kommt. Im 1:1 Gespräch wurde ihr dieses Erlebnis als junge Frau wieder bewusst. Dies zu erkennen war für sie sehr heilsam und sie erkannte, dass Emotionen okay sind und gefühlt werden dürfen.
Wutausbrüche sind oft ein Ausdruck von nie ausgesprochenen Wünschen, zu lange ausgehaltener Erschöpfung, unterdrückten Emotionen und unerfüllten Bedürfnissen wie Anerkennung oder Erholung.
Die Wut richtet sich entweder unbewusst gegen andere - den Partner, die Kinder, Freunde, Verwandte oder Kolleg:innen. Oder sie richtet sich gegen sich selbst. "Ich bin zu schwach". "Was stimmt mit mir nicht.". Selbstzweifel geben sich ein Stell-dich-ein mit der Wut. Der eigentliche Ursprung von Wut und Selbstzweifeln liegt aber tiefer:
Im Übergehen der eigenen Wahrheit und tief vergrabener Emotionen.
Wut hat ausserdem einen schlechten Ruf, besonders bei Frauen.
Sie gilt als unweiblich, verletzend, kontrolllos.
Dabei ist sie eine zutiefst schützende Emotion.
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Was hilft bei Wut in den Wechseljahren
Die Wechseljahre kann man sich vorstellen wie einen Dampfkochtopf. Alles was ein Leben lang keinen Platz fand, drückt dampfend heiss gegen den Deckel.
In den Wechseljahren ruft dieser Dampf, also unser Nervensystem, nach einem Ventil und Entlastung.
Bewusstes Atem, Körperwahrnehmung und Rituale der Achtsamkeit können helfen, Dampf abzulassen und aus der Wut auszusteigen.
Wut wandelt sich, wenn sie sich sicher und gesehen fühlt.
Ich erinnere mich, wie oft ich mich geschämt habe nach meinen Ausrastern. Und dass ich phasenweise das Gefühl hatte, ich werde langsam verrückt. 1:1 Begleitungen haben mich dabei unterstützt, Emotionen bewusst wahrzunehmen und zu fühlen. Zudem wurde mir mit den 1:1 Begleitungen klar, dass ich unbewusst eine traditionelle Mutterrolle übernommen und gelebt habe, die mich auf grossen Schrecken frustriert und überfordert hat, weil ich dachte, ich müsse neben Job und Haushalt alles alleine schaffen. Zuvor blendete jegliche Unterstützung und Veränderungsmöglichkeit aus.
Das Anerkennen und Fühlen von Wut ist sehr heilsam. Auf diese Weise finden wir einen Weg, wie wir unsere Bedürfnisse und Emotionen ohne Angst und Scham fühlen und aussprechen können.
Die Wut in den Wechseljahren ist kein Zeichen von
Schwäche, sondern ein innerer Weckruf für Bedürfnisse und Emotionen, die zu lange übergangen wurden. Sie fordert
uns auf, unser Innenleben ernst zu nehmen, Rollen zu klären und das Nervensystem
neu auszurichten.
Lies dazu gerne auch meinen Beitrag {7 Wege, um die Wut in den Wechseljahren zu wandeln.}
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Häufig gestellte Fragen
Ist Wut in den Wechseljahren normal?
Ja - Viele Frauen erleben oft intensivere Gefühle während den hormonellen Veränderungen in der Perimenopause. Wut ist häufig ein Zeichen unterdrückter Emotionen, Bedürfnisse, einem Ungleichgewicht im Nervensystem und Scham.
Wie lange dauern emotionale Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren?
Wie lange dauern emotionale Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren?
Das ist individuell verschieden. Besonders in der Perimenopause können durch die hormonellen Schwankungen emotionale 'Ausbrüche' stärker und öfter auftreten.
Kann Ernährung oder der Lebensstil Emotionen beeinflussen?
Kann Ernährung oder der Lebensstil Emotionen beeinflussen?
Ja - Schlaf, Bewegung, Stressreduktion und eine ausgewogene Ernährung unterstützen das Nervensystem und können die emotionale Stabilität fördern.
Wann sollte ich mir Unterstützung holen?
Wenn deine Emotionen deinen Alltag stark belasten und deine Beziehungen darunter leiden, kann Dich Mentalcoaching dabei unterstützen, deine Gefühle besser wahrzunehmen, das Nervensystem zu regulieren und neue Blickwinkel zu gewinnen. Ein 1:1 Gespräch hilft Dir, wenn Dich deine Wut immer wieder herausfordert, wenn Du ständig an Dir zweifelst und wenn Du spürst, so geht es nicht mehr weiter.
"Die Lösung liegt nicht darin, Wut „in den Griff zu bekommen,
sondern darin, ihr zuzuhören."
sondern darin, ihr zuzuhören."
Ich bin da und halte Dir, deinen Gedanken und Emotionen den Raum, damit Du wieder in deine Kraft und Mitte findest.
Herzlich Paula
NATUR- und MUTMACH COACH
für Frauen im Wandel






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